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Geschichten Gedichte |
Bilbo
ist tot. Er ist friedlich in meinen Armen eingeschlafen, mit einem Gefühl der
Nähe und der Wärme, die er solange vermißt hat. Im Tod sah er ganz jung aus
und schön. Ich weine noch jetzt manchmal um ihn. Irgendwie habe ich ihn
verstanden. Für ihn war nicht der Hunger und der Schmerz das schlimmste
sondern die Einsamkeit. Im Tod hat er einen Menschen gehabt der für ihn da
war und deshalb ist er in Frieden gestorben. Er ist immer wieder zu jenem
Rasenstück zurückgekommen und hat gewartet, Tag für Tag, genau ein Jahr.
Welcher Mensch kann einen alten Freund dermaßen verraten? Als ich ihn das
erste mal sah, humpelte er auf drei Beinen die Straße in Cardona herunter. Sein
Gang war gequält und ungleichmäßig, sein Körper mit einem zottigen braunen
Fell behangen, sein Gesichtsausdruck verzweifelt und ängstlich. Trotzdem
hatte sich auf den Weg in die Stadt gemacht, um wohl nach etwas eßbaren zu
suchen. Ich sah ihn, registrierte ihn als armen alten Streuner und vergaß ihn
wieder. Als ich ihn zwei Tage wieder sah, nahm ich mir vor den Hund zu
beobachten und ihn zu füttern. Er war ein Bild des Jammers und des Elend.
Sein Gang hatte sich verschlechtert und jede Bewegung bedeutete Quälerei. Er
wirkte jetzt steifer und noch unbeweglicher. Wo er wohl herkam? Was hatte der
Hund für eine Geschichte? Wieder vergaß ich ihn, dann wurde es kalt. Nachts
sank die Temperatur weit unter den Gefrierpunkt und ich dachte mehrfach vage
an den alten Hund, der nun der Kälte ausgesetzt war. Sicher hatte er großen
Hunger. Als ich mit meinen Hunden eines Nachmittags spazieren ging, lag er
bewegungslos in der Sonne auf einem ungenutzten Feldstück am Ortsausgang von
Cardona. Eigentlich sah ich nur sein zottiges braunes Fell und war überzeugt,
daß er tot war. Siedendheiß durchschoß es mich schuldbewußt: hatte ich nicht
vorgehabt ihn zu füttern, wie habe ich ihn nur vergessen können? Eingefallen
und leblos lag er da. Entsetzt band ich meine Hunde an und trat zu ihm,
redete auf ihn ein und hockte mich schließlich zu ihm. Er mußte tot sein.
Dann aber, als ich die Hand ausstreckte und ihn sanft berührte, zuckte er
zusammen und schreckte hoch. Ich sah in ein Paar ängstlicher, verwirrter aber
wunderschöner Hundeaugen, hell und klug. Ich redete auf ihn ein und glaubte
doch zu wissen, daß er mich nicht hören konnte. Er hatte auf meine Rufe nicht
reagiert, wahrscheinlich war er fast taub. "Ich werde dir Futter
bringen, das schwöre ich dir!", sagte ich und sagte es zu mir, empört
über mich selbst. Ich ging zurück, ohne den Hund angefaßt zu haben. Sein
Körper war ganz steif und leblos, nur seine Augen sahen mir verwundert nach.
Später als es dunkel war, kam ich zurück, doch der Hund war nicht da.
Mittlerweile war es klirrend kalt und die Sterne funkelten im schwarzen
spanischen Himmel. Ich stellte ihm die Fleischkonserve in einer Aluschale
dort hin wo er gelegen hatte, am nächsten Tag gegen Mittag besuchte ich die
Stelle wieder. Die Schale war leer und der Hund lag wieder wie tot in der
Sonne. Ich dachte er sei über Nacht erfroren, doch als ich mich zu ihm
hockte, schreckte er wieder hoch. Ich hielt ihm Hundefutter unter die Nase
und er fraß gierig, schlang alles völlig verhungert herunter und sah mich
dabei erstaunt und dankbar an. Nun wagte ich auch seinen Kopf zu streicheln
und er ließ es geschehen. Dennoch glaubte ich zu fühlen, daß es ihm völlig
egal war, ob er gestreichelt wurde oder nicht. Etwas hatte den Hund
verlassen, was ich von allen Hunden kannte. Vielleicht war es so etwas wie
Hoffnung auf eine bessere Zeit, eine sanfte Hand konnte ihm auch nicht
zurückgeben, was er verloren hatte ... Ich nannte den Hund Bilbo. Bilbos
Zustand war für mich sehr schrecklich. Eine ganze Woche besuchte ich ihn Tag
für Tag, fütterte und streichelte ihn. Wenn er mich kommen sah, begann sein
Speichel zu laufen. Also verband er mich mit Futter und Futter war Überleben.
Nachts dachte ich daran, daß der arme kranke Kerl schutzlos der Kälte
ausgeliefert war, doch ich konnte nichts für ihn tun. Ich wohnte hier im
Elternhaus meines Freundes und wir hatten selbst zwei Riesenhunde. Ins
Tierheim bringen konnte ich ihn nicht, denn sie nahmen diesen alten kranken
Hund sicher nicht auf. Wenn schon so viele junge gesunde Hunde aus der
Tötungsstation von Manresa eliminiert wurden ... für den armen Hund wäre es
wahrscheinlich gnädiger, eine Todespritze zu bekommen, doch wie sollte ich
ihn zur Tierklinik nach Manresa bekommen? Kein Tierarzt würde sich die Mühe
machen, ihn auf seinem Wiesenstück zu besuchen um ihn hier zu erlösen. Ich
war völlig ratlos. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bilbo mein Herz noch nicht
wirklich erreicht, genauso wenig wie ich das seine erreicht hatte. Ich hatte
großes Mitleid mit ihm und für ihn bedeutete ich Futter und Überleben. Mit
meinem Freund besuchte ich am Sonntag den armen Bilbo und er war genauso
schockiert von seinem Zustand wie ich. "Wie schrecklich für dich, wenn
du jeden Tag damit rechnest, ihn erfroren vorzufinden und wie schrecklich für
den Hund, der beißenden Kälte schutzlos ausgeliefert zu sein ... Für ihn wäre
es sicherlich besser, erlöst zu sein. Er läuft schon solange hier herum, doch
jetzt kann er ja nicht einmal aufstehen. Mein Vater hat ihn dann und wann
gefüttert ..." Was sollte ich nur tun? Ich überlegte hin und her und
wußte keine Lösung. Am nächsten Tag war es wärmer und dem Hund ging es etwas
besser. Er hob den Kopf wenn ich kam und sah mir erwartungsvoll entgegen.
Irgendwann mußte es ein wunderschöner Hund gewesen sein, ein
Collie-Schäferhundmischling mit dichtem langen Fell. Wie alte er wohl war?
Wie sah seine Geschichte aus? Am nächsten Tag sah ich vormittags zufällig aus
dem Fenster, als Bilbo unten die Straße entlang wankte. Es war schrecklich
anzusehen, wie sehr er sich quälte, und doch war er aufgestanden und
versuchte auf drei Beinen, die ihm aber auch nicht wirklich gehorchten, zur
Innenstadt zu laufen. Aufgeregt griff ich in meine Hundefuttertüte und eilte
die Treppe herunter auf die Straße. Bilbo sah mich so verwundert an, daß er
sich vor Schreck hinsetzte und auch nicht mehr auf die Beine kam, als ich
wieder fort ging. Ich fütterte ihn und er hatte einen Blick im Gesicht, der
zwischen Wonne und Fassungslosigkeit hin und her schwankte. Lange sah er mir
nach, doch in seinem Blick stand nun auch Wärme und Freundlichkeit. Er
schaute noch lange auf das Haus in dem ich wieder verschwunden war, erst viel
später schaffte er es, sich zu erheben und weiterzulaufen. Dabei hatte er
seinen Körper sowenig unter Kontrolle, daß er immer wieder aus dem
Gleichgewicht kam und einmal fast gegen ein fahrendes Auto gefallen wäre. Nur
um Bruchteile von Millimetern entging er dessen Rädern, doch der Fahrer
bremste nicht. Ich beobachtete den Hund von oben und wandte mich darauf hin
ab, da ich das Bild des Leidens einfach nicht länger ertragen konnte. Am
Dienstag besuchte ich meine Freundin Heidi, die Vorsitzende des Tierheims
Manresa, und erzählte ihr von Bilbo. "Dann laß ihn doch auf Kosten des
Tierheims einschläfern!", sagte sie, doch ich schüttelte den Kopf. "Es
geht mir nicht um die Kosten, noch bin ich ein Tierarzt um beurteilen zu
können, ob man ihm nicht doch helfen könnte. Ich kann ihn nicht zu mir nehmen
und wenn ein Tierarzt sagt, es wäre besser ... nun, doch Bilbo ist mein
Freund und ich möchte ihm helfen, wenn ihm noch zu helfen ist!" "So
dein Freund?", murmelte Heidi und sagte dann bestimmt. "Gut, wir
machen folgendes. Du fährst mit ihm zur Tierklinik nach Manresa und bist
dafür verantwortlich, was mit ihm weiter passiert. Wenn der Tierarzt noch
Rettung sieht, nehmen wir ihn im Tierheim auf. Du sorgst für alle Arztgänge
und siehst zu, daß er vermittelt wird. Auch ein alter Hund hat eine Chance,
wenn der richtige Besitzer kommt ..." Ich schluckte, damit hatte ich
nicht gerechnet. "Aber wenn dieser Hund in der Auffangstation säße,
würdest du ihn niemals aufnehmen. Sicher gibt es genug jüngere und ...
!", warf ich dagegen. "Er ist alt und war bestimmt einmal ein
schöner Hund, doch jetzt ... doch wenn der Tierarzt eine Chance für ihn sehen
würde, dann wäre dein Vorschlag wundervoll!" Wir einigten uns auf
Freitag. Zwar wußte ich nicht, wie ich Bilbo in meine Auto bekommen sollte,
doch ich war plötzlich froher Hoffnung. Vielleicht konnte ihm doch noch
geholfen werden ... Meine Freundin Andrea machte mir dann am Mittwoch den tollen
Vorschlag, nach Cardona zu kommen und mir bei der Bilbo-Manresafahrt zu
helfen. Bilbo ging nun wieder täglich unter größten Qualen gen Cardona. Das
wärmere Wetter tat ihm gut und vielleicht stärkte ihn auch das tägliche
Futter, daß er nun schon fast zwei Wochen von mir bekam. Je näher aber der
Freitag kam, desto mehr Angst ergriff mich. Hatte ich denn das Recht
Schicksal für Bilbo zu spielen? Machte ich mir denn wirklich Hoffnungen? Ein
Tierarztbesuch würde höchstwahrscheinlich seinen Tod bedeuten. Mir graute und
ich hatte Angst davor. Vielleicht war der alte Hund doch irgendwie glücklich
in seinem jämmerlichen qualvollen Leben ... Hatte ich wirklich das Recht zu
tun, was ich tun wollte? So war ich am Freitag plötzlich glücklich, als Bilbo
nicht mittags auf seinem Platz in der Sonne lag. Ich war erleichtert, sicher
hatte ich nicht das recht "es" zu tun. Ich hatte in einem Stück
Fleisch ein Beruhigungsmittel verpackt, das wollte ich ihm geben, bevor
Andrea kam. Als ich aber ein paar Schritte weiter ging, sah ich Bilbo an
einer anderen Stelle liegen. Ich gab ihm also das Fleisch und er fraß es. So
würde alles seinen Lauf nehmen ... Als aber Andrea da war um mit Bilbo seine
wahrscheinlich letzte Fahrt anzutreten, war Bilbo fort. Wir suchten ihn
bestimmt eine Stunde überall. Statt dessen hatte irgend jemand eine Schale
mit ganz viel Fressen, Fleisch, Nudeln, Fisch und Knochen hingestellt, ich
war erstaunt. Also gab es noch einen anderen Bilbofreund, doch wo war Bilbo?
Schließlich stiegen Andrea und ich auf einen keinen Berg hinter Bilbos Wiese.
Von dort sahen wir ihn. Er lag zusammengekauert am Straßenrand und zwei
Frauen standen bei ihm. Zuerst wußten wir nicht, was wir machen sollten, dann
gingen wir etwas ratlos zu dem Hund und den Frauen, bis wir sahen, daß eine
der Frauen ihn mit dem Essen fütterte, was wir zuvor entdeckt hatten.
Eigentlich war es uns nicht recht, daß wir Zeugen hatten, denn wir fühlten
uns beide unwohl, hin und her gerissen. Die Frau sagte, sie würde den Hund,
den sie Chicco nannte, schon seit einem Jahr kennen. Sicher war er hier an
der Stelle von seinem alten Besitzer ausgesetzt worden und wartete seitdem
auf ihn. Sie würde ihn füttern, denn früher wäre er ein bildschöner Hund
gewesen. So einen schönen Hund hätte es in Cardona selten gegeben, ja,
sicherlich hatte die Frau recht. Ich wußte, daß Bilbo früher wunderschön
gewesen war und ich wußte von seinem Schmerz, denn sein Herr hatte ihn
ausgesetzt als er für ihn unbrauchbar und wertlos geworden war. Er hatte eine
treue Hundeseele verraten, als der Hund ihm im Alter gebraucht hätte. Seitdem
wartete der Hund ergeben in Liebe an jener Stelle, an der er noch immer bei
allem Leid Hoffnung hegte, bewußt oder unbewußt, seinen Herrn
wiederzutreffen. Die beiden Menschen, die an dem alten Streuner hingen, waren
da, als Bilbo in mein Auto gehoben wurde. Zuvor hatte er eine wundervolle
Portion Essen bekommen. Plötzlich hielten zwei Autos und mehrere Menschen
kamen hinzu. "Was macht man denn für einen Aufstand um die alte
Töle!", sagte eine Frau empört, "für den wäre es doch besser, wenn
man ihm mit einem Knüppel eins vor den Kopf hauen würde ..." "Wie
kannst du so etwas sagen", sagte die Frau, die Bilbo wohl auch gefüttert
hatte. Wir sagten, daß wir Bilbo zum Tierarzt nach Manresa fahren würden und
anschließend ins Tierheim bringen würden. Etwas anderes hätte die Frau auch
nicht verstanden, wir fühlten uns noch unwohler. Ich fühlte mich schließlich
ganz miserabel, als Bilbo in meinem Auto jämmerlich weinte. Mit seiner alten
rauhen Stimme wimmerte er völlig verzweifelt und mir stachen die Tränen in
die Augen. Die Fahrt dauerte eine dreiviertel Stunde, dann parkten wir mit
unseren Autos vor der Tierklinik. Unsere Hunde blieben in Andreas Auto, wir
trugen Bilbo zu zweit in die Praxisräume, wo man uns entsetzt einen
getrennten Raum zuwies, Bilbo sah zu schrecklich aus in den Augen der anderen
Hundebesitzer. Auf dem Boden brach Bilbo in aller Verzweiflung und Angst
zusammen. Er zitterte wie Espenlaub und keine tröstende Hand drang bis zu ihm
vor. Ich weinte um ihn, weil ich nun sicher war, daß er gleich getötet werden
würde. Hatte ich es wirklich richtig gemacht ihn hierher zu bringen, hatte
ich das Recht dazu? Und doch dachte ich daran, daß er viele Flöhe hat und er
sie wahrscheinlich in mein Auto verbreitet hatte, das er stank und daran, daß
meine Hunde sich vielleicht von ihm Krankheiten holen könnten. Ich dachte an
mich und nicht an Bilbos verzweifelte Gefühle. Erst später wurde mir das so
richtig bewußt, erst dann, als sich zwischen ihm und mir etwas änderte. Als
der Arzt ihn untersuchte, nahm er sich sehr viel Zeit für den Hund. Er sagte,
er habe Arthrose, die seinen Körper zerstört hätte. Bilbo war ungefähr 13
Jahre alt. Um seinen wirklichen Zustand zu erkennen, mußte Bilbo geröntgt
werden und ich schöpfte Hoffnung. Ich wollte nur das beste für ihn und wenn
es Hoffnung gab, wollte ich sie für ihn. Irgendwann machte es in mir
"Klick". Es geschah auf dem Röntgentisch, denn bei Bilbo geschah
dasselbe, es war eine Reaktion, die uns mit dem anderen verband. Es war sehr
merkwürdig. Bilbo wurde dem Mann übergeben und ich mußte zurücktreten, sah
aber zu wie sie "meinen" alten Hund auf dem Tisch drehten und
verrenkten. Bilbo wimmerte wie im Auto und sah flehend zu mir, wie ich
flehend zu ihm sah. Unser Blick traf sich und wir trösteten uns. Bilbo war
zusammen von mir und dem Arzt ins Röntgenzimmer getragen worden. Als er mit
der Tortur fertig war, trat ich völlig aufgelöst zu ihm und er wurde auf der
Stelle ruhig. Ich umarmte ihn heftig und er drückte sich voller Liebe an
mich. Mir war es plötzlich egal, ob er Flöhe hatte und ihm war meine Nähe und
Wärme mehr als alles. Beide wurden wir ruhig. Nun trug ich ihn allein ins
Behandlungszimmer zurück und legte ihn zärtlich auf den Tisch. Plötzlich war
er "mein" Hund wie ich "sein" Mensch war und beide wußten
wir dies. Er hatte einen Menschen bekommen und ich einen dritten Hund! Dieses
Wissen war wundervoll. Meine Hand hatte Bilbo nichts bedeutet, nun bedeutete
sie ihm alles. Unter meiner Hand war er ganz ruhig und zärtlich drückte er
sich dagegen, wie ich ihn fest umschlungen hielt, auf ihn einredet,
streichelte und liebkoste. Ich wollte das beste für ihn und wenn es der Tod
war, wollte ich auch ihn. Bilbo wußte dies und wußte, daß ich gut für ihn
entscheiden würde. Er überließ sich mir ganz, war völlig entspannt und wurde
von Minute zu Minute glücklicher. Er war nicht länger allein, er hatte seinen
Menschen bekommen der für ihn da war und ihm gut wollte. Eine halbe Stunde
warteten wir auf das Röntgenbild, doch Bilbo war der glücklichste Hund der
Welt. In meinen Armen genoß er Wärme und Liebe, die er ganz in sich aufnahm
und auf mich ausstrahlte. Das Ergebnis des Röntgenbildes war grausam. Er
mußte schreckliche Schmerzen erlitten haben und würde bei jedem Atemzug
seines Lebens weitere Schmerzen erleiden. Seine Hüfte war völlig zerstört,
keine Tabletten und keine Operation konnte ihm noch helfen. Ich bat den Arzt
ihn zu erlösen. Bilbo starb schnell in meinen Armen, völlig entspannt und mit
einem glücklichen Gesicht. Er sah aus wie ein junger Hund und wie ein Hund,
der geliebt wurde. Und er starb als ein Hund, der geliebt wurde, denn ich
liebte ihn von ganzen Herzen. Als meine Tränen auf seine gebrochenen Augen
tropften, spielte es keine Rolle, ob ich richtig gehandelt hatte oder nicht,
für Bilbo war es richtig gewesen, weil ich diese Entscheidung für ihn
getroffen hatte. Erst viel später in der Nacht wußte ich plötzlich, daß das,
was den Hund umgebracht hatte, nicht Hunger, Schmerz und Krankheit gewesen
waren, sondern die Einsamkeit. Er war der einsamste Hund der Welt gewesen und
er war glücklich gestorben, weil er Nähe, Wärme und Liebe gespürt hatte, ja,
Liebe! (von Ina Erwien) |