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Geschichten Gedichte |
Ich begrub ihn im Garten, neben einer alten
verrosteten Maschine. Dort, nicht weiter unten, nicht weiter oben, wird er
sich einmal mit mir vereinen. Jetzt ist er weg, mit seiner Haarfarbe, seiner
üblen Erziehung, seiner kühlen Nase. Und ich, Materialist, der nicht daran
glaubt, daß es den verheißenen himmlischen Himmel für irgendeinen Menschen
gibt, glaube für diesen Hund oder für jeden Hund an den Himmel, ja, ich
glaube an einen Himmel, in den ich nicht komme, doch wo er mich erwartet,
seinen Fächerschwanz schwenkend, damit es mir bei der Ankunft nicht an
Freundschaft fehle. Ach, ich will nicht von der Traurigkeit reden, daß ich
ihn hier auf Erden nicht mehr als Gefährten habe, ihn, der mir niemals ein
Diener gewesen ist, er hegte für mich Igelfreundschaft, die seine Unabhängigkeit
wahrte, die Freundschaft eines selbständigen Sterns, ohne überflüssige
Vertraulichkeit, ohne Übertreibungen: Er sprang nicht an meiner Kleidung
empor, bedeckte mich nicht mit Haaren und Schorf, er rieb sich nicht an
meinem Knie, wie es andere, geschlechtsbesessene Hunde tun. Nein, mein Hund
schaute mich an, schenkte mir die Aufmerksamkeit, die ich brauchte, soviel
Aufmerksamkeit wie nötig ist, um einen Eitlen begreifen zu lassen, daß er,
als Hund mit diesen Augen, reiner als die meinen, die Zeit verlor, doch er
schaute mich an mit dem Blick, der sein ganzes zotteliges Leben für mich
bereithielt, sein verschwiegenes Leben dicht bei mir, ohne mich je zu
belästigen und ohne irgendwas von mir zu verlangen. Ach, wie oft wünschte ich
mir einen Schwanz, wenn ich neben ihm ging über die Ufer der See, im Winter
von Isla Negra, in der großen Einsamkeit: Droben die Luft durchschossen von
eisigen Vögeln, und hüpfend mein Hund, truppig, erfüllt von der
wellenwerfenden Kraft elektrischer Meeresspannung, mein streunender,
schnupperseliger Hund, hissend den goldenen Schweif im Anblick des Oceans und
seiner Gischt. Fröhlich, fröhlich, fröhlich, wie Hunde glücklich sein können,
einfach so, mit der Unumschränktheit unverschämter Natur. Kein Adieu für
meinen Hund, der gestorben ist. Zwischen uns gibt es und gab es keine Lüge.
Er ist weg und ich begrub ihn, und das war alles. (von Pablo Neruda) |